
Rafael Canaro (1890–1972), geboren als Rafael Canarozzo in San José de Mayo, Uruguay, war Kontrabassist, Orchesterleiter und Komponist. Er spielte eine bedeutende Rolle bei der internationalen Verbreitung des argentinischen Tangos in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit seinen Brüdern Francisco, Juan und Humberto gehörte er zur berühmten Musikerfamilie Canaro.
Nachdem seine Familie in seiner Kindheit nach Buenos Aires übersiedelte, wuchs Canaro in den Einwanderervierteln auf, in denen sich die Tangokultur rasch entwickelte. Seine musikalische Laufbahn begann er im Orchester seines Bruders Francisco Canaro und machte sich bald nicht nur als Kontrabassist, sondern auch als international tätiger Orchesterleiter einen Namen.
In den 1920er- und 1930er-Jahren verbrachte Rafael Canaro viele Jahre in Europa, insbesondere in Paris, wo sein Orchester Teil der großen internationalen Tango-Bewegung wurde. Er unternahm ausgedehnte Tourneen durch Frankreich, Spanien, Deutschland, den Nahen Osten und die Vereinigten Staaten und trug wesentlich dazu bei, den Tango weltweit bekannt zu machen. Sein Orchester trat in renommierten Pariser Lokalen auf und nahm für europäische Labels wie Odeon und Regal auf.
Als Komponist ist Rafael Canaro vor allem durch den Tango „Sentimiento gaucho“ bekannt, den er gemeinsam mit Francisco Canaro und dem Texter Juan Andrés Caruso schrieb. Das Werk zählt bis heute zu den Klassikern des Tango-Repertoires. In seinem Orchester wirkten außerdem bedeutende Musiker und Sänger wie Carlos Dante und Lucio Demare mit.
Rafael Canaro blieb über Jahrzehnte hinweg aktiv und wurde zu einer der prägenden Persönlichkeiten der internationalen Tango-Geschichte. Seine Aufnahmen bewahren einen Stil, der traditionelle Tanzrhythmen mit der kosmopolitischen Eleganz der europäischen Tango-Orchester der Zwischenkriegszeit verbindet.